Eine Reisekreditkarte ist eine Kreditkarte, die für den Einsatz außerhalb der Euro-Zone optimiert ist: keine Fremdwährungsgebühr (der Aufschlag von sonst 1,5 bis 2 Prozent auf jeden Umsatz in Fremdwährung), keine Bargeldgebühr an Automaten und eine Jahresgebühr von null bis höchstens 60 Euro. Wer im Jahr 2.000 Euro oder mehr außerhalb der Euro-Zone mit der Karte ausgibt, spart mit einer gebührenfreien Karte 30 bis 55 Euro je Jahr gegenüber einer Standardkarte. Die Auswahl am deutschen Markt ist groß; vier Kriterien entscheiden, welche Karte die richtige ist.
Die drei Kostenblöcke, die den Preis einer Reisekarte ausmachen, sind Jahresgebühr, Fremdwährungsgebühr und Bargeldgebühr. Hinzu kommen Zusatzleistungen wie Reiseversicherungen oder eine Mietwagen-Vollversicherung, die bei einzelnen Karten die Jahresgebühr rechtfertigen. Die Gewichte der Kostenblöcke je Nutzungstyp stehen in den folgenden Abschnitten, Stand 15. September 2026.
Woran eine gute Reisekreditkarte zu erkennen ist
Eine gute Reisekreditkarte erfüllt drei Bedingungen gleichzeitig. Nur eine davon zu erfüllen, reicht nicht, weil die Anbieter die Gebühren an unterschiedlichen Stellen erheben:
- Keine Fremdwährungsgebühr: Jede Zahlung in US-Dollar, Thai Baht oder Schwedischen Kronen läuft ohne prozentualen Aufschlag. Das ist der größte Kostenblock bei Urlaubsreisen.
- Keine Bargeldgebühr: Abhebungen an Automaten weltweit kosten keinen festen Eurobetrag und keinen Prozentsatz. Wichtig in Ländern mit Bargeldkultur, etwa Thailand oder Japan.
- Jahresgebühr unter 60 Euro: Die Ersparnis muss die Grundkosten übersteigen. Wer im Jahr 1.000 Euro außerhalb der Euro-Zone zahlt, spart mit einer gebührenfreien Karte 15 bis 20 Euro an Fremdwährungsgebühren; da reichen 60 Euro Jahresgebühr nicht mehr aus.
Visa und Mastercard sind bei Reisekarten gleichwertig: Beide Kartenorganisationen akzeptieren weltweit dieselben rund 210 Länder und Regionen. Die Unterschiede liegen beim kartenausgebenden Institut, nicht am Logo.
Reisekreditkarten im Vergleich: die Gebührenstruktur
Die Gebührenstruktur der vier Kartentypen am deutschen Markt, mit den typischen Werten:
| Kartentyp | Jahresgebühr | Fremdwährungsgebühr | Bargeldgebühr im Ausland | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Kostenlose Reisekarte | 0 Euro | 0 Prozent | 0 Euro je Abhebung | Urlaub und Auslandsaufenthalt aller Art |
| Reisekarte mit Versicherungspaket | 20 bis 60 Euro | 0 Prozent | 0 bis 5 Euro je Abhebung | Häufige Reisende mit Mietwagen und Flugbuchungen |
| Standard-Kreditkarte der Hausbank | 0 bis 100 Euro | 1,5 bis 2,75 Prozent | 5 bis 10 Euro je Abhebung | Zahlungen nur in der Euro-Zone |
| Charge-Card (American Express) | 60 bis 200 Euro | teils 0 Prozent, je Karte | teils kostenfrei, je Karte | Reisende mit hohem Karteneinsatz und Anspruch auf Zusatzleistungen |
Charge-Card ist die Bezeichnung für Karten, deren Umsätze monatlich vollständig per Lastschrift abgerechnet werden, ohne echten Kreditrahmen. Die American-Express-Karten gehören zu dieser Gruppe; ihre Reisevorteile (Versicherungen, Bonusprogramme) amortisieren sich erst ab einem Jahresumsatz, der über dem der meisten Reisenden liegt.
Was eine Reisekreditkarte auf einem Auslandsaufenthalt spart
Drei Beispiele mit konkreten Beträgen, gerechnet mit einer Standardkarte (1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr, 5 Euro Abhebegebühr) gegen eine gebührenfreie Reisekarte:
| Nutzungsprofil | Karteneinsatz | Kosten Standardkarte | Kosten Reisekarte |
|---|---|---|---|
| Urlaub, 2 Wochen USA | 2.000 Euro Zahlungen, 800 Euro in 4 Abhebungen | 35,00 Euro + 20,00 Euro = 55,00 Euro | 0 Euro |
| Auslandssemester, 5 Monate Kanada | 7.000 Euro Zahlungen, 1.500 Euro in 15 Abhebungen | 122,50 Euro + 75,00 Euro = 197,50 Euro | 0 Euro |
| Work and Travel, 12 Monate Australien | 12.000 Euro Zahlungen, 3.000 Euro in 30 Abhebungen | 210,00 Euro + 150,00 Euro = 360,00 Euro | 0 Euro |
Die Ersparnis wächst mit der Dauer des Aufenthalts, weil beide Gebührenarten proportional zum Umsatz und zur Zahl der Abhebungen laufen. Bei einem Jahr Work and Travel finanziert die gesparte Summe den Rückflug.
Wann sich eine Karte mit Jahresgebühr lohnt
Kostenlose Reisekarten genügen für den normalen Auslandsaufenthalt. Eine Karte mit Jahresgebühr lohnt sich nur, wenn eine ihrer Zusatzleistungen den Preis übersteigt:
- Mietwagen-Vollversicherung: Erstattet die Selbstbeteiligung bei Schäden am Mietwagen; als eigenständige Police kostet sie 5 bis 10 Euro pro Miettag. Wer im Jahr mehr als 20 Miettage hat, spart mit der Karte in der Jahresgebühr von 20 bis 60 Euro.
- Auslandskrankenversicherung und Reiserücktrittsversicherung: Einzelne Premium-Karten schließen sie ein; ein Jahresvertrag außerhalb der Karte kostet um die 40 Euro für eine Auslandskrankenversicherung.
- Notfall-Ersatzkarte und Bargeld-Notfallservice: Weltweit innerhalb von 24 bis 48 Stunden, inklusive Vorschuss bei Kartenverlust. Für Alleinreisende in abgelegenen Regionen ein echter Wert.
Die Rechnung geht nur auf, wenn die Karte die Miete, den Mietwagen und die Flüge tatsächlich bezahlt. Versicherungsleistungen von Kreditkarten gelten fast ausnahmslos nur für Leistungen, die mit derselben Karte bezahlt wurden.
So wählen Sie die richtige Reisekreditkarte
- Einsatz profilieren: Reisedauer, Zielländer und die voraussichtlichen Ausgaben für Zahlungen und Abhebungen notieren. Die Beispieltabelle liefert die Größenordnung.
- Gebühren prüfen: Jahresgebühr, Fremdwährungsgebühr und Bargeldgebühr aus dem Preisverzeichnis ablesen. Wichtig: die Bargeldgebühr für Abhebungen in Fremdwährung ist ein eigener Posten, getrennt von der Fremdwährungsgebühr.
- Zusatzleistungen gegenrechnen: Nur Leistungen bewerten, die tatsächlich genutzt werden; eine Mietwagen-Vollversicherung hilft ohne Mietwagen nicht.
- Verfügungsrahmen klären: Der Rahmen muss die Kautionen von Hotels und Mietwagen plus die laufenden Reisekosten tragen; 2.000 bis 3.000 Euro sind eine sichere Untergrenze für Langzeitaufenthalte.
- Antrag stellen und Zweitkarte einplanen: Die Ausstellung dauert 1 bis 2 Wochen; eine Prepaid-Karte als Backup begrenzt den Schaden bei Verlust der Hauptkarte.
Häufige Fragen zu Reisekreditkarten
Was ist eine Reisekreditkarte?
Eine Reisekreditkarte ist eine Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr und ohne Bargeldgebühr an Automaten außerhalb der Euro-Zone. Sie erhebt meist keine oder eine geringe Jahresgebühr und ist für Auslandsaufenthalte optimiert. Standard-Kreditkarten erheben auf dieselben Umsätze 1,5 bis 2,75 Prozent Aufschlag.
Lohnt sich eine Reisekreditkarte auch für den kurzen Urlaub?
Ja, schon ab etwa 1.000 Euro Karteneinsatz außerhalb der Euro-Zone. Bei 1.000 Euro und 1,75 Prozent Fremdwährungsgebühr kostet der Standard-Karteneinsatz 17,50 Euro; eine kostenlose Reisekarte kostet nichts. Bei zwei Abhebungen kommen noch 10 Euro Abhebegebühr hinzu. Die Ersparnis kauft die Hälfte eines Tages im Hotel.
Mit welchen Reisekreditkarten kann ich weltweit kostenlos abheben?
Kreditkarten ohne Fremdwährungsgebühr und ohne Bargeldgebühr heben weltweit kostenlos ab; mehrere Anbieter am deutschen Markt führen solche Karten. Die lokale ATM-Gebühr des Automatenbetreibers bleibt trotzdem: In Thailand sind es 220 Baht je Vorgang, in den USA 3 bis 5 US-Dollar. Weniger und größere Abhebungen halbieren diesen Posten.
Muss ich für eine Reisekreditkarte ein Mindesteinkommen nachweisen?
Bei kostenlosen Reisekarten der Direktbanken häufig nicht; die Karten laufen mit einem moderaten Verfügungsrahmen. Bei Premium-Karten mit Versicherungspaket verlangen die Anbieter teils ein Mindesteinkommen von 1.800 bis 2.500 Euro im Monat. Studierende und Berufseinsteiger finden bei den kostenlosen Varianten passende Angebote.
Ersetzt eine Reisekreditkarte die Auslandskrankenversicherung?
Nein. Nur einzelne Premium-Kreditkarten schließen eine Auslandskrankenversicherung ein, und ihre Deckung ist an Bedingungen geknüpft (Karte als Zahlungsmittel, Reisedauer). Für die meisten Reisenden bleibt die eigenständige Auslandskrankenversicherung für rund 40 Euro im Jahr die sichere Lösung; die Reisekarte spart die Gebühren, die Versicherung deckt die Behandlungskosten.
Die passende Reisekreditkarte finden
Der Kreditkartenvergleich zeigt Reisekarten ohne Fremdwährungsgebühr und ohne Abhebegebühr: Kreditkarten vergleichen